Dichte Szenenfolge

Dem Inszenieren hat sich auch der Fotograf Claus Feldmann verschrieben. Die Galerie Adlergasse, der Motorenhalle baulich quasi vorgeschaltet, beherbergt unter dem Titel „Meteora“ eine kleine Auswahl von neun seiner Bilder. Deren Sujets geben unmittelbar das Illusorische als ihren eigentlichen Zweck preis. Feldmann schafft Szenerien, die er dann ablichtet – und nur diese Bilder, die an Filmsets erinnern, bleiben vom Ganzen schließlich übrig. Ein gewisser Hang zum Dramatischen, gar zur Science Fiction ist Feldmann dabei nicht abzusprechen. Das kann auch daran liegen, dass er unter anderem am American Film Institute in Los Angeles studierte. Feldmann verknüpft die Innen- und Außenräume seiner in der Regel menschenleeren Bilder zu einem klitzekleinen Kosmos, wo sich das Mögliche mit dem Unmöglichen ein Stelldichein gibt. Wie anders kann die leere Schiffsbrücke in „Nordmeer“ interpretiert werden? Hat sich die Besatzung angesichts der Wasserwand, die aufs Schiff zurollt, schon in die Rettungsinseln geflüchtet? Ganz ähnliche Assoziationen wirft der wunderbar eigenartige Warteraum in „Sturmflut“ auf. Dieses verglaste Häuschen scheint irgendwo an Kai oder Klippe zu stehen, draußen stampft ein Dampfer schwer durch die See, während drinnen zwei leere Bänke die einzigen Zuschauer des Kampfes Technik gegen Natur sind. Zwei Lampen spenden kaltes Licht, zwei Feuerlöscher suggerieren eine Sicherheit, die zu der Bedrohung draußen kaum weniger in Beziehung gesetzt werden könnte. Dass sich die Details des Gebauten, der inszenierten Illusion bei Feldmann rasch erschließen, ist keine Enttäuschung. Das Gegenteil tritt ein: Freude an der Akribie, mit der der Fotograf arbeitet. Der Beobachter wünscht auch hier ab und an, durch eine plötzliche Verwandlung des Imaginären ins Reale Teil dieser absonderlichen, seltsamen, aber immer phantastischen Kulisse zu werden. Dichte Szenenfolge also in der Friedrichstadt. Inszenieren ja, Illusion ebenfalls. Wenn auch keine perfekte. Die hieße Hollywood. Und das kann keiner wollen. Tiefer loten ist im Unvollkommenen einfach wesentlich aufschlussreicher

Torsten Klaus anlässlich der Ausstellung „Meteora““ in der Galerie Adlergasse, Dresden in Dresdner Neue Nachrichten

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